Das deutsche Eishockey bei Olympia 2026: Talente vorhanden – Teamgeist fehlt

Die Olympischen Winterspiele 2026 in Mailand und Cortina d’Ampezzo sollten für das deutsche Eishockey ein Highlight werden. Zum ersten Mal seit langem war NHL-Superstar Leon Draisaitl (Edmonton Oilers) mit dabei, dazu weitere starke Profis wie John-Jason Peterka, Moritz Seider, Philipp Grubauer und Tim Stützle. Auf dem Papier eine der besten deutschen Auswahlen aller Zeiten. Das Ergebnis? Eine bittere Enttäuschung – bereits im Viertelfinale war Schluss.

Kein Team, sondern eine Ansammlung guter Einzelspieler

Das Kernproblem war schnell erkennbar: Es gab kein echtes Team. Jeder Spieler für sich war gut bis sehr gut – aber zusammen funktionierte es nicht. Puckverluste im Aufbau, riskante Fehlpässe im eigenen Drittel, mangelnde Abstimmung in der Defensive, fehlender Zug zum Tor in den entscheidenden Momenten. Gegen Top-Nationen wie die Slowakei (im Viertelfinale ein Debakel) oder die USA reichte das nicht ansatzweise.

Andere Länder zeigen seit Jahren vor, wie es richtig geht:

  • Finnland, Schweden, Kanada, USA, Tschechien – sie alle setzen bei Olympia fast ausschließlich auf NHL-Spieler, haben aber meist eine klare Identität und jahrelang gewachsene Automatismen.
  • Selbst kleinere Nationen wie die Schweiz oder Lettland treten oft als eingespielte Einheit auf, weil sie in Vorbereitungscamps und in der Euro Hockey Tour monatelang zusammen trainieren und spielen.

Deutschland hingegen? Ein zusammengewürfeltes Aufgebot, das sich erst wenige Wochen vor Turnierbeginn findet. Gemeinsames Training? Minimal. Eingespielte Linien? Kaum. Taktische Feinabstimmung? Fehlanzeige. Das kann gegen mittelmäßige Gegner noch reichen – gegen wirklich gute Mannschaften wird es gnadenlos bestraft.

Draisaitl ist kein Wundermittel

Leon Draisaitl ist zweifellos einer der besten Spieler der Welt. Aber selbst der „King of Kings“ kann aus einer Ansammlung von Individualisten kein harmonisches Team zaubern. Er ist kein Ersatz für monatelange Vorbereitung, für Vertrauen untereinander, für automatisierte Abläufe. Ein genialer Einzelspieler kann ein Spiel drehen – ein Turnier gewinnt man nur als Einheit.

Der Sport als Spiegel der Gesellschaft?

Leider spiegelt das Versagen auf dem Eis viel von dem wider, was in Teilen der deutschen Gesellschaft derzeit schiefläuft: Der Glaube, dass einzelne Hochbegabte oder „Leuchttürme“ reichen. Dass man sich auf andere verlassen kann, ohne selbst Verantwortung zu übernehmen. Dass man hofft, der Gegner patzt schon – statt selbst den Willen und die Disziplin aufzubringen, als Kollektiv zu glänzen.

Andere Nationen behandeln Eishockey bei Olympia als Visitenkarte ihres Landes – mit entsprechender Wertschätzung, Planung und Ressourcen. In Deutschland scheint das Bewusstsein dafür noch nicht richtig angekommen zu sein.

Die Schuld liegt nicht primär bei den Spielern

Die Jungs haben alles gegeben – und jeder für sich war oft auf hohem Niveau. Die Katastrophe entstand durch das System drumherum: mangelhafte Vorbereitungszeit, zu späte Zusammenstellung des Kaders, fehlende langfristige Team-Bindung, taktische Defizite. Hier tragen Funktionäre, Trainerstab und der Deutsche Eishockey-Bund (DEB) die Hauptverantwortung.

Schade um diese super Truppe. Es hätte so viel mehr drin sein können. Es musste nicht so enden.

Fazit: Talente hat Deutschland. NHL-Exporte, Junioren-Weltmeistertitel, starke DEL. Was fehlt, ist der Mut und die Konsequenz, daraus wirklich ein Team zu formen – nicht nur für ein Turnier, sondern als langfristiges Projekt.

Bis das passiert, bleiben wir gute Einzelkämpfer. Und das reicht bei Olympia eben nicht.

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