Deutschlands TOP Judoka am Start. Deutschland & Köln setzen Maßstäbe im Para-Judo (ID)
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SONDERAUSGABE: Belgrad 2026 – Weltmeister Victor Gdowczok und die Weltspitze der Startklasse II2 setzen Maßstäbe: „No Ego, just Judo" Sonderausgabe zu den European Open in Belgrad, 7.–9. November 2026 · Außerdem: ID-Judo-Klassifizierung, DBS und Sporthilfe, EU-Disability-Strategie, Lausanne 2026 · KW 42, 12. Oktober 2026 Leitartikel – Para-Judo: Weltmeister Victor Gdowczok testet sich zwei Köpfe über Gewicht – Gold in Essen, Ziel Belgrad Essen / Belgrad, 13. Oktober 2026 – Victor Gdowczok, deutscher ID-Para-Judoka, amtierender Weltmeister und Nummer 1 der Weltrangliste, kämpft vom 7. bis 9. November 2026 bei den European Open in Belgrad. An seiner Seite stehen zwei Freunde aus dem ID-Judo, die jeweils eine Gewichtsklasse tiefer antreten: Ben Musaeus, Vizeweltmeister, und Valentin Freitag, Bronzemedaillengewinner der Weltmeisterschaft 2023 in Vichy.
Musaeus hat seine Form bereits belegt: Beim Adapted-Judo Turnier von Special Olympics in Sarajevo hinterließ er einen überzeugenden Eindruck und gewann Gold. Gdowczok und sein Team starteten dagegen bei den Internationalen Landesmeisterschaften von Special Olympics Deutschland (SOD) in Essen. Dort trat der nur 78 Kilogramm leichte Weltmeister bewusst eine Gewichtsklasse höher an – gegen Gegner mit 90 Kilogramm, die ihn nach Angaben des Teams um zwei Köpfe überragten. Das Turnier diente als Testlauf für Belgrad. Das Ergebnis: Nach fünf Kämpfen stand Gold. Die Parastartklasse II2 ist in Belgrad bestens mit der Weltspitze vertreten: Para-Judoka der Spitzenklasse sind am Start. Was dort auf der Matte gezeigt wird, setzt Maßstäbe – in der Leistung ebenso wie in Achtung und Würde im Umgang miteinander. Sport der Herzen, Sport der Leistung: Judo in seiner perfekten Form auf allen Ebenen, im reinen Verständnis des Sports und der Lehre Jigoro Kanos – „No Ego, just Judo." Victor Gdowczok steht dafür auch abseits der Matte. Er ist Botschafter der IFoN.World, einer gemeinnützigen, weltweit tätigen Nichtregierungsorganisation (NGO) für Menschenrechte im Sport von Menschen mit geistigen und kognitiven Einschränkungen. Als Mitglied des Lebenshilferats in Deutschland ist er zudem einer der „Selbstvertreter". Sein Motto: „Nicht über uns, mit uns."
Belgrad, Essen, Sarajevo– und die stille Kraft des ID‑Judo
Von außen wirkt Judo oft wie ein Sport der schnellen Entscheidungen: ein Griff, ein Wurf, ein Ippon. Doch wer genauer hinsieht, merkt schnell, dass die eigentliche Geschichte viel früher beginnt — in den Momenten, in denen ein Athlet beschließt, sich selbst zu prüfen.
Victor Gdowczok, Weltmeister, Weltranglistenerster, einer der stärksten ID‑Judoka Europas, hat einen solchen Moment gewählt. Nicht in Belgrad, nicht auf einer großen Bühne, sondern in Essen, bei den Landesmeisterschaften von Special Olympics Deutschland. Dort trat er eine Gewichtsklasse höher an, 78 Kilogramm gegen Gegner mit 90.
Das Dokument hält es knapp fest:
„Nach fünf Kämpfen stand Gold.“
Es ist ein Satz, der in seiner Kürze fast zu bescheiden wirkt. Denn eigentlich erzählt er von einem Athleten, der sich bewusst in eine Lage bringt, die unangenehm ist — und damit genau das tut, was Leistungssport ausmacht: er sucht die Grenze, nicht den Komfort.
Ein Sport, der Haltung verlangt
Gdowczok ist keiner, der sich in den Vordergrund drängt. Sein Motto, „No Ego, just Judo“, klingt wie eine Floskel, bis man ihn kämpfen sieht. Dann merkt man, dass es eine Haltung ist. Eine, die sich nicht nur auf der Matte zeigt, sondern auch abseits davon.
Er ist Botschafter der IFoN.World, einer NGO, die Menschenrechte im Sport von Menschen mit geistigen und kognitiven Einschränkungen verteidigt. Er sitzt im Lebenshilferat, als Selbstvertreter — ein Begriff, der in Deutschland noch immer klingt, als müsse man ihn erklären.
„Nicht über uns, mit uns.“
Es ist ein Satz, der in seiner Einfachheit eine ganze Struktur kritisiert.
Drei Systeme, drei Sprachen – und niemand, der übersetzt
Während Gdowczok sich auf Belgrad vorbereitet, kämpft der ID‑Judo‑Bereich mit einem Problem, das weniger sichtbar ist, aber weitreichender: drei Klassifizierungssysteme, die nebeneinander existieren, ohne sich zu berühren.
Die EJU hat fünf Ability Levels, Special Olympics Deutschland ebenfalls fünf, Virtus ordnet seine Startklassen II1 und II2 einem eigenen Fünf‑Level‑System zu.
Das Dokument formuliert es nüchtern:
„Kein bisher auslesbares Dokument erläutert, wie diese drei Systeme im Alltag ineinandergreifen.“
Für Athleten bedeutet das Unsicherheit. Für Eltern Verwirrung. Für Verbände Bürokratie.
Für den Sport bedeutet es Stillstand.
Marina Draskovic, die Adapted‑Judo‑Kommissarin der EJU, spricht von einem „paralympischen Weg“. Doch ein Weg ohne gemeinsame Sprache bleibt ein Versprechen, das man nicht einlösen kann.
Die großen Linien: Baku, Bonn, Brüssel
Während im ID‑Judo die Details ringen, verschieben sich im internationalen Sport die großen Linien.
In Baku gewinnt Japan den Mixed‑Team‑Titel zurück — zum achten Mal seit 2017.
In Bonn übernimmt Kristina Molloy die Führung des IPC, ein Wechsel, der leise, aber strategisch bedeutsam ist.
In Brüssel stärkt die EU ihre Behindertenstrategie:
90 Millionen Betroffene, 56,4 Prozent Beschäftigungsquote, 1,4 Millionen Menschen in Einrichtungen — Zahlen, die nüchtern wirken und doch eine ganze Lebenswirklichkeit beschreiben.
Virtus – die feine Unterscheidung
Virtus, die internationale Organisation für Sport für Menschen mit intellektueller Beeinträchtigung, präzisiert ihre Startklassen:
II1 für intellektuelle Beeinträchtigung,
II2 für intellektuelle Beeinträchtigung mit zusätzlicher Beeinträchtigung,
II3 für Autismus ohne intellektuelle Beeinträchtigung.
„II3 ist die jüngste Virtus‑Klasse; die Arbeit daran begann 2020.“
Es ist eine Differenzierung, die nicht trennt, sondern klärt — und damit die Grundlage schafft für faire Wettkämpfe.
Ein Sport, der größer ist als seine Regeln
Vielleicht ist das die eigentliche Geschichte dieser Sonderausgabe: ein Sport, der sich neu sortiert, weil er es muss.
Ein Sport, der sich nicht über seine Bürokratie definiert, sondern über die Menschen, die ihn tragen.
Ein Sport, der manchmal in einem einzigen Satz zusammenfällt:
„No Ego, just Judo.“
Und ein Weltmeister, der sich zwei Köpfe über Gewicht testet, weil er wissen will, wie weit er gehen kann.
